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Kann man sich für einen Streuner nicht entscheiden, dann freuen sich gleich zwei.....
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| Wir sind Fini und Escada und wir hatten gleich doppelt Glück, nicht nur, dass wir beide Österreicherinnen wurden, wir durften sogar zusammen bleiben und zu Zweit ist alles einfacher! Doch wir erzählen von Anfang an....... |
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*Hallo, liebe Vierbeiner,*
ich heiße Fini und das ist meine Freundin Escada. Wir 2 hatten Glück - im Doppelpack!
Das ist ja wieder mal typisch: Fini begrüßt immer nur die Hunde -- das gehört sich einfach nicht. Es muss heißen:
*Hallo, liebe Menschen!*
Also, "lieb" und "Menschen" passt ja wohl nur selten zusammen. Was ich als Welpe erlebt habe, hat mir den Glauben an das Gute in den
Zweibeinern nämlich gründlich ausgetrieben.
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Fini muss immer so maßlos übertreiben ... Sie meint wohl die Zeit in Rumänien, aber so schlimm fand ich das gar nicht.
Meine Erinnerungen sind böse genug! An die erste Zeit kann ich mich nur vage erinnern. Mama sorgte für uns, so gut es ging, auch wenn sie selbst kaum etwas zu fressen hatte. Vor den Zweibeinern warnte sie uns jeden Tag. Und sie hatte schon Recht mit ihrer Vorsicht, denn eines Tages kam ein Mann, packte mich mitsamt meinen Geschwistern in einen Sack und band
den fest zu. Es war dunkel und eng, kein Licht, keine Luft, keine Mama! Ich dachte, wir müssten ersticken! In einem stinkenden, lauten Ding auf vier Rädern wurden wir über holprige Straßen gekarrt, bis das Gefährt
anhielt und wir mit Schwung nach draußen befördert wurden. Das Getöse und Gerumpel entfernte sich; und nach kurzer Zeit wurde unser Sack hochgehoben und geöffnet. Was waren meine Geschwister und ich froh, dass
wir wieder Luft zum Atmen hatten und Licht sahen! Aber da war schon wieder ein Mann, ... das Fürchten hat nicht aufgehört.
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Das war sicher der Michael, das ist doch ein ganz Lieber! Mich hat er aus einem Gehege-Dschungel namens Smeura geholt, weil er meinte, ich hätte bei ihm bessere Chancen, später ein schönes Leben zu führen. Er nahm mich mit, taufte mich Escada -- allein für diesen chicen Namen hätte ich ihn küssen können. Nach nur knapp vier Wochen wollte mich bereits jemand haben.
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Ich geb´s ja zu, Escada, Michael war immer nett zu uns -- so hatte ich die Zweibeiner nie zuvor kennen gelernt. Aber wenn man einmal so schlechte Erfahrungen gemacht hat wie ich, ist und bleibt man zurückhaltend. Und Michael war ja offenbar auch der einzige, der es gut mit mir meinte, denn für mich interessierte sich drei Monate lang niemand! Vielleicht lag es daran, dass mein Fell nicht so flauschig ist wie Deines, vielleicht hat mein Stummelschwanz die Zweibeiner abgeschreckt, vielleicht waren meine Fotos nicht so überzeugend -- wer weiß das schon? Dann, im Februar 2008, hatten sich endlich Zweibeiner gemeldet, die mich aufnehmen wollten. Michael schickte dieser Familie neueste Bilder sowie einen Kommentar dazu: /" ... Sie hätte es verdient, endlich ein Zuhause zu finden. Immerhin, sie ist jetzt schon 81 Tage bei mir. Nebenbei, ich tendiere bei ihr mittlerweile eher zu klein als zu mittel."/ Die Mitteilung hätte er sich lieber sparen sollen --- diese Zweibeiner wollten nämlich unbedingt einen großen Hund! Und daher wurde das "Reserviert" neben meinem Foto wieder gelöscht. Wie soll da einer Vertrauen aufbauen zu den Zweibeinern??? Ich dachte: Solche Hohlköpfe! Als ob es auf die Größe ankommt ...
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Die Zweibeiner sind schon verrückt. Die Familie wollte ursprünglich einen großen und schon erwachsenen Hund, aber der neunjährige Sohn hatte sich in das Bild von Fini verliebt, die damals noch Pesnica hieß, gerade wegen ihres kurzhaarigen Fells und ihres Stummelschwanzes (so viel zu den Äußerlichkeiten, meine liebe Freundin!). Michael vermutete jedoch, dass sie eher klein bleiben würde und die Eltern machten ihre Reservierung rückgängig und suchten mich aus, weil ich voraussichtlich groß werden würde.. Aber der Sohn der Familie konnte "seine" Pesnica nicht vergessen. Er schlich nur traurig durch das Haus und malte ein Bild von seiner Pesnica, das er über sein Bett hängte. Jeden Abend beim Schlafengehen stiegen der Mutter die Tränen in die Augen, als sie die Blicke ihres Sohnes sah. Sie selbst hatte vor allem ein schlechtes Gewissen und fühlte sich verantwortlich für das Glück eines Hundekindes, von dem sie nur einen halben Tag gedacht hatte, es würde ihres werden. Verrückt, nicht wahr? Und dem Vater ging es ebenso, nur dass der nicht darüber sprach. Das ist noch verrückter, aber so sind viele Zweibeiner. Nach einer Woche fiel der Satz: "Warum holen wir eigentlich nicht beide Hunde?" Unser damals künftiges Frauchen zählte 100 Gründe auf, die gegen die gleichzeitige Aufnahme von zwei Welpen sprachen, doch die beiden beschlossen, dass sie genau das trotzdem wollten. Habe ich schon erwähnt, dass die alle verrückt sind?
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Escada, Du hast die Pointe der Geschichte vergessen: Heute, wo wir beide gut zwei Jahre alt und damit längst ausgewachsen sind, sind wir etwa gleich groß. Na gut, Escada überragt mich um vielleicht zwei oder drei Zentimeter -- in der Höhe, wohlgemerkt. Von der Breite her schafft sie locker das Doppelte wie ich ... hihi!
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Lach nur, Fini; ich hab? nun einmal eine damenhafte Figur mit betonten Hüften! Es muss ja nicht jede Hündin so burschikos daherkommen wie Du! Und außerdem ... das Futter schmeckt mir eben. Schon in der Smeura habe ich gelernt, dass man nehmen und sicher stellen muss, was man kriegen kann. Auch heute gehe ich da meist noch auf Nummer Sicher: Was ich nicht mit fünf Bissen verschlingen kann, trage ich schnell weg und knurre jeden an, der sich in meine Nähe wagt. Meine Familie hat lange versucht, mich dann zu beruhigen, aber in diesen Situationen kenne ich keinen Spaß. Oberfrauchen und Oberherrchen haben das irgendwann akzeptiert und jetzt darf ich Knochen oder ähnliches allein in Oberfrauchens Büro oder im Garten verschmausen. Das gefällt mir! Außerdem sagt meine Familie, dass sie noch niemals einen so gelehrigen Hund hatte.
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Pfff, gib? nicht so an. Es ist doch vielmehr so: Für Futter machst Du praktisch alles! Ich hab? da einfach mehr Stolz ... und meine Vorsicht -- die ist mir geblieben. Du hingegen vertraust ja gleich jedem Zweibeiner! Als Michael uns dann vor knapp zwei Jahren wieder in so ein fahrendes Brumm-Ding verfrachtet hat, meintest Du zuversichtlich: "Jetzt fahren wir zu unseren Familien!" Aber ich fand das Getöse und Gerumpel
nur zum Kotzen ... |
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Ja, das war nicht zu überriechen ...
Erst diese lange Fahrt -- immerhin hatten wir diesmal Luft und Licht --, dann die fünf Tage bei einer wildfremden Zweibeiner-Frau, ... Sie war nett, aber trotzdem fremd! Doch immerhin gab?s dort viele Hunde, und wir hatten viel Spaß mit denen. Kaum hatte ich mich halbwegs eingewöhnt, kamen zwei große und zwei kleine Menschen, die sich "unsere Familie"
nannten. Die Fünf-Tage-Frau hat uns bedenkenlos hergegeben! Der durfte man offensichtlich auch nicht trauen! Die Familien-Menschen trugen uns wieder in so eine Stinkekiste......
Fini, hör auf, jetzt wissen ohnedies schon alle, dass es Dir in den Dingen, die unsere Menschen "Auto" nennen, immer den Magen umdrehte! Dabei durften wir diesmal sogar in der zweiten Reihe bei den kleinen Menschen sitzen. Ich fand das nur-cool und habe mich sofort in mein junges Frauchen verliebt. Aber nachdem Du das Futter vom Vortag halbverdaut in vier Plastiksäcke verteilt hattest, kam mir zum Schluss dann auch noch alles hoch!
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Nach einer guten Stunde kamen wir in einem großen Garten an. Der gefiel mir außerordentlich; ich dachte: "Hier bleibe ich." Das Haus war mir nicht geheuer und so nahe mussten die Zweibeiner auch nicht sein. Aber Escada ließ sich mit einem lächerlichen Stück Käse sofort hineinlocken. Ich nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und folgte ihr. Unter dem Esstisch fand ich einen guten, sicheren Platz, um das Treiben hier mit größter Skepsis zu beobachten. Aber wider Erwarten waren hier alle sehr nett und gar nicht aufdringlich. Ich fand das okay und nach zwei Wochen kam ich das erste Mal freiwillig zum Streicheln.
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Insgesamt hatten wir es also gut getroffen, doch Escada wurde immer schwieriger. Zuerst brauchte sie mehr als drei Monate, bis sie begriffen hatte, dass nur die Zweibeiner im Haus ihre Geschäfte verrichten, wir Vierbeiner hingegen machen das draußen! Ich habe das bald verstanden, aber bei Escada hatte unser Oberfrauchen fast schon die Hoffnung aufgegeben. Dann wurde sie ihren Husten von der langen Fahrt aus Rumänien nicht los. Mit so einem weißen, grauslichen Pulver war das Krächzen bei mir bald vorbei, aber bei meiner Freundin wurde es schlechter statt besser. Ein weiß gekleideter Mann legte sie unter eine große Kamera, sah sich die Fotos an, murmelte etwas von "fast schon Lugenentzündung" und stach ihr eine lange Nadel in den Nacken. Eine Woche lang musste Escada dann Tabletten schlucken -- aber bei ihrer Gier nach Leberwurst hat sie das wahrscheinlich nicht einmal bemerkt ...
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Ich kam mit einer kleinen, kahlen Stelle auf dem Kopf bei meiner Familie an -- das hatte ich auf Michaels Foto geschickt verborgen. Der Mann in Weiß schabte an mir herum, erklärte meinem Oberfrauchen etwas über "Demodex" und sprach von "hartnäckig". Ich habe gelernt, was "hartnäckig" bedeutet: Es heißt so viel wie "ein Jahr lang". So lange hat Frauchen gebraucht, bis wir diese lästige Milbengeschichte halbwegs im Griff hatten. Baden und Einreiben, Mineralstoffe und Vitaminmischungen, Tropfen, Öl und Pulver -- alles haben wir
ausprobiert. Schließlich haben uns zwei supernette Männer in einem Hundesalon geholfen, die mich mit einem Spezialshampoo badeten. Eine wohltuende Massage gab?s auch immer dazu! Und dann, ja dann fing mein dummes Bein wieder zu schmerzen an. Ich hatte diese Geschichte eigentlich schon lange vergessen -- irgendwo in ganz hinten in meinem Kopf gibt es ganz vage Erinnerungen an böse Verletzungen im Maul, auf der Schulter und im rechten Vorderbein, als ich noch ganz klein war. War es ein Auto gewesen? Hatte ich Prügel bekommen? Ich weiß es nicht mehr und will es auch gar nicht wissen. Jedenfalls tat mein Bein immer stärker weh, wenn wir von langen Spaziergängen zurückkamen. Manchmal
humpelte ich, manchmal konnte ich überhaupt nur auf drei Beinen gehen. Zuerst tippte der Mann in Weiß -- Ihr wisst jetzt schon, wen ich meine -- auf eine Verstauchung, doch neue Bilder aus der großen Kamera zeigten schließlich eine Verletzung, die schon lange zurückliegen musste. Im Herbst 2009 wurde ich operiert. Das war nicht weiter schlimm für mich; denn eigentlich genieße ich es immer, im Mittelpunkt zu stehen (oder zu liegen), und mehrere Zweibeiner kümmern sich ausschließlich um mich. Meine Familie hat sich diese Spezialbehandlung auch ganz schön was kosten lassen! Nur, dass ich danach fast zwei Monate nicht mit Fini spielen und spazieren gehen durfte, fand ich ganz blöd.
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Frauchen hat mir öfters Geschichten von den Streunerfreunden vorgelesen, wo Zweibeiner ihre Hunde wieder zurückgaben, wenn sie so krank waren wie Escada oder so ängstlich wie ich. Unsere Familie hat uns jedenfalls trotz aller "Mängel" von Escada ... |
und trotz Finis Panikattacken ...
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behalten. Oberfrauchen meint, wenn die Tiere nicht so einfach sind, wie man sich das manchmal wünscht, dann müssen ihre Menschen eben kreativer sein. Was das bedeutet, weiß ich nicht genau, aber es muss was ähnliches heißen wie "anders". Ich kann Euch ein Beispiel erzählen: Früher musste ich jeden Besuch -- vor allem große Männer -- immer ganz wild verbellen.
Vielleicht wollte mich ja wieder einer dieser Zweibeiner einpacken? Vielleicht wollte er meiner Familie was antun? "Hilfe!" schrie ich da immer; ich konnte meine Panik einfach nicht unterdrücken. Eines Tages aber sagte Oberfrauchen: "Jetzt kommt bald Besuch. Und heute brauchst Du nicht auf uns aufzupassen, wir passen auf Dich auf." Sie hat mich an die Leine genommen, obwohl wir zuhause blieben. Das war angenehm, jetzt
fühlte ich mich sicher. Viele der Besucher haben Oberfrauchen und Oberherrchen ausgelacht, aber nicht lange. Denn immerhin hatten sie Erfolg; nun konnte ich all die Zweibeiner ganz beruhigt beschnüffeln und
betrachten ... |
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Auch jeden Zweibeiner, der uns im Wald und auf der Wiese entgegenkam, haben wir früher lautstark niedergemacht. "Wehe, Du kommst unserem Frauchen oder Herrchen zu nahe", bellten wir.
Ganz ehrlich, wir haben unsere Familie ganz schön "um-erzogen"! Viel dazu beigetragen haben auch zwei Hundetrainer, die uns drei oder vier Mal besuchten. Das war besser als in der Hundeschule, dort waren mir viel zu viele Artgenossen. |
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Zum wilden Toben bleibt uns, neben dem Wohnzimmer, der Garten. Mit dem geben wir uns mittlerweile auch zufrieden; die Zeiten unserer zahllosen Ausbruchsversuche sind vorbei. Anfangs fanden wir es überaus lustig, den diversen Nachbarn immer wieder Besuche abzustatten. Noch interessanter war es, Frauchen und Herrchen danach zu beobachten, wie sie die mühsam gegrabenen Löcher unter den Zäunen mit Brettern, Spanndraht und Steinen
wieder verschlossen. Stimmt Ihr uns nicht zu, dass wir äußerst kommunikative Hunde sind? -- So viele Kontakte hatte unsere Familie zu den nebenan wohnenden Zweibeinern nie zuvor ...!
Wenn man also all unsere Leistungen zusammenzählt -- die Grabungsarbeiten im Garten, den Wachdienst für den gesamten Häuserblock, die Kontaktpflege zu den Nachbarn, die Fitness für die ganze Familie, so sind wir für unsere Menschen schlicht unentbehrlich. Die würden sich doch ohne uns gar nicht zurechtfinden! Und außerdem: Ich liebe mein junges Herrchen, mit dem man so herrlich toben, knuddeln und spielen kann. |
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Ich bevorzuge mein altes Herrchen, das so ausdauernd und gefühlvoll streichelt wie kein anderer!
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Und nachdem uns das junge und das alte Frauchen gezählte 17.843 Mal ins Ohr geflüstert haben, dass wir die allersüßesten Zuckermäuse der Welt sind, glauben wir ganz fest:
Diese "Verrückten" haben uns Glück gebracht!
Fini und Escada,
zwei, die glücklich geworden sind
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